1. Einführung

Was heißt das: Rechtliche Betreuung?

Wenn man Sie für unfähig hält, für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen, können Sie vom Staat unter Rechtliche Betreuung gestellt werden; sie wird manchmal auch gesetzliche Betreuung genannt.

Was bedeutet das konkret? Das Betreuungsgericht benennt eine Person, die gewisse Rechte und Pflichten stellvertretend für den Betroffenen übernimmt; dies ist der Betreuer. Grob vereinfacht gesagt: Der Betreuer übernimmt dem Betroffenen gegenüber eine ähnliche Stellung wie Eltern gegenüber ihrem minderjährigen Kind.

Zum einen vertritt er ihn gegenüber Behörden, Geschäftspartnern, Vermietern, Arbeitgebern usw. Dieser Bereich betrifft die sogenannten Rechtsgeschäfte. Das Gericht kann dem Betreuer z. B. den Auftrag geben, das Vermögen des Betroffenen zu verwalten, wenn es diesen für unfähig hält, mit seinem Geld umzugehen.

Zum anderen kann der Betreuer in bestimmten Bereichen über den Betroffenen bestimmen, die das Selbstbestimmungsrecht der Person bezüglich persönlicher Angelegenheiten wie Bewegungsfreiheit, körperliche Unversehrtheit, ärztliche Behandlung etc. betreffen. Dieser Bereich wird Personensorge genannt. So kann das Betreuungsgericht dem Betreuer z. B. das Recht zusprechen, den Betroffenen gegen seinen Willen in ein psychiatrisches Krankenhaus oder in ein Heim zu bringen, oder es kann ihm erlauben, den Betroffenen gegen dessen Willen mit Psychopharmaka behandeln zu lassen.

Wichtig: Der Rechtliche Betreuer betreut nicht in dem Sinne, wie z. B. ein Sozialarbeiter eine Gruppe von Jugendlichen im Freizeitheim betreut oder wie sich ein Sozialdienst um einen alten Menschen kümmert. Diese Art der Betreuung ist nicht gemeint.

Es ist nicht die Aufgabe des Betreuers, die konkrete Fürsorge einer Person zu übernehmen; z. B. pflegt er den Betroffenen nicht selbst, vielmehr ist es seine Aufgabe, diese Fürsorge zu organisieren: dass sich z. B. ein ambulanter Pflegedienst oder eine Sozialstation um den Betroffenen kümmert.

Weiter: 2. Voraussetzungen der Betreuung